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Clinical Update - Simply Science - Diabetes und Mundgesundheit

April 2026 - Eine Zusammenfassung von Sanjay Haryana (BDS/DDS)

Zuckerhaltige Getränke und Parodontitis: Gibt es einen Zusammenhang?

 

Oftmals assoziieren wir Zucker mit kariösen Läsionen. Immer mehr Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der häufige Konsum von zuckerhaltigen Getränken auch das Parodontitisrisiko erhöhen könnte. Die 2024 im Journal of Clinical Periodontology veröffentlichte Studie „Sugar-sweetened beverage consumption and periodontitis among adults: A population-based cross-sectional study“ untersuchte, ob der Konsum zuckerhaltiger Getränke mit Parodontitis bei Erwachsenen im Alter von 30 bis 50 Jahren in Zusammenhang steht.

 

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Ernährungsberatung als Teil der Parodontalprophylaxe.

 

Was war Gegenstand der Studie?

Die Forschenden werteten Daten von 4.473 Erwachsenen aus, die im Rahmen einer umfangreichen Gesundheitsstudie in den Vereinigten Staaten parodontal untersucht wurden. Die Diagnose Parodontitis erfolgte auf Grundlage etablierter Kriterien der Centers for Disease Control and Prevention sowie der American Academy of Periodontology.

 

Der Konsum zuckerhaltiger Getränke wurde über die wöchentliche Trinkhäufigkeit erfasst. Auf dieser Grundlage wurden die Teilnehmenden in folgende Gruppen eingeteilt:

 

  • fünfmal oder häufiger pro Woche
  • siebenmal oder häufiger pro Woche
  • vierzehnmal oder häufiger pro Woche

 

In der Analyse wurden potenzielle Einflussfaktoren auf die Parodontalgesundheit berücksichtigt, darunter Einkommen, Bildungsstand, Rauchverhalten, Alkoholkonsum, Alter sowie die tägliche Gesamtenergiezufuhr. Zur Minimierung möglicher Verzerrungen kamen geeignete statistische Verfahren zum Einsatz.

 

Was waren die wichtigsten Ergebnisse?

Bei 27,4 % der Teilnehmenden wurde eine Parodontitis festgestellt (leicht: 4,2 %; mittelschwer: 19,8 %; schwer: 3,4 %). Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Mit zunehmender Häufigkeit des Konsums zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke stieg auch das Risiko für Parodontitis.

 

Nach Adjustierung für mögliche Störfaktoren – darunter Einkommen, Rauchverhalten, Alkoholkonsum, Alter und weitere relevante Lebensstilfaktoren – ergaben sich folgende Ergebnisse:

 

  • fünfmal oder häufiger pro Woche: 81 Prozent erhöhtes Risiko für Parodontitis
  • siebenmal oder häufiger pro Woche: 94 Prozent erhöhtes Risiko für Parodontitis
  • vierzehnmal oder häufiger pro Woche: 119 Prozent erhöhtes Risiko für Parodontitis

 

Insgesamt zeigte sich ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang: Je häufiger zuckerhaltige Getränke konsumiert wurden, desto höher war das Risiko. Zudem war eine höhere Konsumfrequenz mit tieferen Zahnfleischtaschen und einem stärkeren klinischen Attachmentverlust verbunden.

 

Warum kann Zucker Entzündungen auslösen?

Die biologischen Mechanismen stehen im Einklang mit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Auf systemischer Ebene kann eine hohe Zuckeraufnahme die Insulinresistenz fördern, oxidative Schäden im Gewebe verstärken und die Ausschüttung von Entzündungsmarkern anregen. Diese Prozesse tragen zu einem erhöhten Entzündungsniveau im gesamten Körper bei.

 

Auch im Mundraum spielt Zucker eine zentrale Rolle: Bakterien in der Mundhöhle verstoffwechseln Zucker zu Säuren und weiteren Nebenprodukten. Dadurch kann es zu einer Verstärkung von Zahnfleischentzündungen kommen. Wird parodontales Gewebe abgebaut, entsteht zudem eine proteinreiche Umgebung, die das Wachstum eines pathogenen Biofilms (Zahnbelag) begünstigt und die Entzündung weiter aufrechterhält.

 

Parodontitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung. Ein häufiger Konsum von zugesetztem Zucker könnte daher die gesamte Entzündungsbelastung erhöhen und das Fortschreiten der Erkrankung fördern.

 

Eine wichtige Erkenntnis: Diabetes-Bewusstsein

Der Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und Parodontitis war bei Personen stärker ausgeprägt, die angaben, keinen Diabetes zu haben. Bei Teilnehmenden mit bekannter Diabetesdiagnose fiel dieser Zusammenhang schwächer aus. Eine mögliche Erklärung liegt in Verhaltensänderungen: Nach der Diagnose wird die Zuckeraufnahme häufig reduziert. Da sich Parodontitis jedoch über einen längeren Zeitraum entwickelt, kann die Erkrankung bereits bestehen.

 

Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt – also Daten zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben wurden – lässt sich kein ursächlicher Zusammenhang nachweisen. Es kann lediglich gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen zuckerhaltigen Getränken und Parodontitis bestehen könnte.

 

Klinische Relevanz

Diese Studie kann unsere Sichtweise auf Prävention und Parodontalerkrankungen verändern. Die Häufigkeit des Zuckerkonsums beeinflusst offenbar nicht nur das Kariesrisiko, sondern kann sich möglicherweise auch auf die Parodontalgesundheit auswirken. Wenn Patientinnen und Patienten angeben, täglich oder mehrmals pro Woche zuckerhaltige Erfrischungsgetränke zu trinken, sollte dies in die individuelle Parodontalrisikobewertung einbezogen werden. Zusammenfassend lässt sich sagen: Ein Verzicht auf süße Getränke kann sich positiv auf die langfristige Parodontalgesundheit auswirken, insbesondere bei Personen mit Prädiabetes oder Diabetes.

Drei Tipps für Ihre Praxis

 

1) Nach der Häufigkeit fragen – nicht nur nach der Zuckermenge. Erfassen Sie den Konsum zuckerhaltiger Getränke gezielt über die Häufigkeit. Beschränken Sie Ernährungsfragen nicht ausschließlich auf das Kariesrisiko, sondern fragen Sie konkret, wie oft Limonaden, Energy-Drinks oder gesüßter Kaffee konsumiert werden. Die wöchentliche Frequenz sollte Bestandteil der parodontalen Risikobewertung sein.

2) Fokus auf Reduktion der Häufigkeit – evidenzbasiert beraten. Nutzen Sie die Studienergebnisse aktiv für die Aufklärung ihrer Patientinnen und Patienten. Formulierungen wie: „Wussten Sie, dass der Konsum zuckerhaltiger Getränke fünfmal oder häufiger pro Woche mit einem um etwa 80 % erhöhten Parodontitisrisiko verbunden sein kann?“ können motivierend wirken. Unterstützen Sie Patientinnen und Patienten dabei, konkrete Ziele zu setzen – bereits kleine Veränderungen, wie der tägliche Austausch eines zuckerhaltigen Getränks durch Wasser, können einen positiven Effekt haben.

3) Bewusstsein schaffen und Verhaltensänderung fördern. Thematisieren Sie den Zusammenhang mit Diabetes. Erklären Sie verständlich, dass erhöhte Blutzuckerwerte Entzündungsprozesse im Körper begünstigen können. Eine Reduktion zuckerhaltiger Getränke kann sowohl die Blutzuckerkontrolle verbessern als auch die Parodontalgesundheit unterstützen und erhalten.

 

Quelle

Alves-Costa S et al. Sugar-sweetened beverage consumption and periodontitis among adults: A population-based cross-sectional study. Journal of Clinical Periodontology, 2024.

Woman with a CGM sensor on her arm, smiling into the mirror as she brushes her teethWoman with a CGM sensor on her arm, smiling into the mirror as she brushes her teeth

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